Unter dem Titel “Ölproduzenten: dramatisch” fand ich im letzten Merum* diesen bezeichnenden Austausch zwischen einem Leser und Andreas März, dem Herausgeber des Magazins. Herr März ist auch Bio-Winzer und Bio-Olivenölproduzent mit eigener Presse und ein Kenner der Situation rund um das Olivenöl, wie kaum einer. Der Text spricht für sich selbst und ich habe dem Kommentar von Herrn März nichts hinzuzufügen, außer natürlich, dass jeder Konsument die Möglichkeit hat, sich die richtige Olivenölquelle zu suchen, um Teil der Lösung statt Teil des Problems zu sein. Sie, werter Leser, dessen Interesse dieser Blog erweckt hat, sind ja ganz offensichtlich auf dem richtigen Weg :-)
Unser Prinzip der Fairness gegenüber den Bauern bewirkt zwar, dass wir nicht das billigste Olivenöl am Markt haben. Aber wir bieten dafür unseren Kunden einen preiswerten Beitrag zu einem ruhigen sozialen Gewissen. Und für die Bauern und Ölpressen, mit denen wir zusammenarbeiten, macht es Sinn, sich für Sie ins Zeug zu legen um eine ganz besondere Qualität zu erzielen.
Hier der Text aus dem Merum 6/2009:
"Ich habe eben die Kommentare der Olivenölproduzenten in Heft 5/2009 gelesen. Kann man da nicht noch mehr machen, um dieses Thema noch mehr an die Öffentlichkeit zu bringen? Ich finde es irgendwie schockierend, dass die Produzenten nicht von ihrer Arbeit leben können. Ich bin mir auch bewusst, dass dies nicht nur Olivenölproduzenten betrifft, sondern alle Hersteller von Rohstoffen für Lebensmittel, siehe aktuelles Thema Milch."
Marc Portmann
Lieber Herr Portmann,
würden alle Menschen so sensibel auf Missstände reagieren wie Sie, gäb's bestimmt weniger davon.
Ich glaube nicht, dass das Leiden der Landwirtschaft zu wenig bekannt ist. Das Fernsehen berichtet darüber und die Zeitungen auch. Irgendwie bedauern wir das ja auch... Aber wir verstehen zwei Dinge nicht: Erstens, dass vom Sterben der Landwirtschaft vor allem wir selbst betroffen sind, und zweitens, dass wir für das Sterben der Landwirtschaft selbst verantwortlich sind.
Das Todesurteil erfolgt an der Ladenkasse. Für wenige Cent Ersparnis verkaufen wir unsere "Solidarität mit den Bauern". Wir konsumieren nicht nachhaltig, sondern kurzlebig:
Nach dem Einkauf die Sintflut. Wir haben drei Euro gespart, das zählt!
Die ganze Konsumgüter-Kommunikation basiert auf dem Argument "billiger". Weshalb sollten die Leute bei dieser Massengehirnwäsche auch ein anderes Kaufverhalten an den Tag legen?
Ihr Andreas März
*) “Merum Die Zeitschrift für Wein und Olivenöl” hat immer wieder hervorragende Artikel zum Thema Olivenöl und erscheint in deutscher Sprache.
Ein Merum Leserbrief
09.02.10
oder: eine politische Dimension von Olivenöl

